Wir veröffentlichen hier alle Leserbriefe von Günter Gottschlich in der Jungen Freiheit (JF), die uns bekannt sind. Wer uns nicht traut kann auch gerne auf die Homepage der JF gehen und dort im Archiv jeden dieser Texte finden. Wer inhaltliche (oder auch andere) Fragen hat, beispielsweise was wir an den einzelnen Texten problematisch finden kann uns auch gerne eine mail an aktauwetter@aol.com schreiben.
Leserbriefe von Günther Gottschlich
in der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“
44/2009
Meinungszensur
Wie üblich traben viele tonangebende Printmedien im Fall Sarrazin mal wieder hart in der Spur des den Volksverhetzungsknüppel schwingenden Generalsekretärs des Zentralrats der Juden. Selbst die Frankfurter Allgemeine – in diesen Dingen wie immer nicht Fisch und nicht Fleisch – fordert im Feuilleton dessen Ablösung.
Vielen Dank deshalb für die klare Stellungnahme von Torsten Hinz zu diesem Thema. Es fehlt nicht mehr viel, daß man solche Stimmen als „mutig“ bezeichnen und damit der Meinungsfreiheit in diesem Lande ein vernichtendes Urteil aussprechen muß.
Dr. Günter Gottschlich, Tübingen
25/09 12. Juni 2009
Zu: „JF intern“ von Thorsten Thaler, JF 23/09
Farbmätzchen
Mit hohem Ton kündigt Thorsten Thaler „den nächsten großen Schritt in der Entwicklung der Zeitung“ an. Wo, bitteschön, ist hier der inhaltliche Informationsmehrwert? Traut jetzt auch die JF Ihren Lesern nicht mehr zu, eine Zeitung in Ruhe und Konzentration und ohne bunte Ablenkungen zu lesen? Kritische Artikel, die „den gedanklichen und sprachlichen Mief“ der Achtundsechziger aufspießen, wie es Thorsten Hinz in der gleichen Ausgabe so unnachahmlich auf den Punkt bringt, bedürfen doch solcher Farbmätzchen nicht.
Dr. Günter Gottschlich, Tübingen
18/09 24. April 2009
Zum Schwerpunktthema: „Instrument der Vormacht“, JF 15/09
Platz auf Schuhputzerbänkchen
„Instrument der Vormacht: Europa muß sich endlich von den USA emanzipieren“, titelte die JUNGE FREIHEIT zu Recht. Wieviel Lichtjahre wir davon entfernt sind, zeigte auf anschauliche Weise der Präsidentenbesuch bei der englischen Königin. Bei aller Hemdsärmeligkeit, die man von Amerika gewohnt ist, ist doch kaum anzunehmen, daß es im Weißen Haus keinen Protokoll-Chef gibt, der den neuen Präsidenten und seine Ehefrau auf die erste Auslandsreise ziehen läßt, ohne mit ihnen detailliert Protokollfragen durchzusprechen.
Die Umarmung der englischen Königin durch die Präsidentengattin – von den Medien naiv als verzeihliche, wenn nicht gar liebenswürdige Geste kommentiert – ist also kaum ein aus Unwissenheit begangener Fauxpax, sondern eher als subtile, aber für die diplomatisch Bewanderten als eindeutig zu verstehende Geste zu sehen, welchen Platz auf der geopolitischen Bühne man Europa aus amerikanischer Sicht zuzubilligen gewillt ist: nämlich das Schuhputzerbänkchen.
Dr. Günter Gottschlich, Tübingen
08/08 15. Februar 2008
Zu: „Plötzlich offene Worte“ von Dieter Stein, JF 4/08
Avantgarde-Funktion
Als ich am 15. Januar die Zeitung aufschlug und den Satz las: „Die Debatte über ausländische Jugendkriminalität muß geführt werden – jetzt“, dachte ich für einen Moment, die JF sei zur täglichen Erscheinungsweise übergegangen. Aber nein, es war Frank Schirrmacher von der „Frankfurter Illustrierten Zeitung“ (früher FAZ). Schöner kann die Avantgarde-Funktion der JF kaum demonstriert werden!
Zur Erinnerung: Der Begriff Avantgarde stammt ursprünglich aus dem militärischen Sprachschatz und bezeichnet die Vorhut, also denjenigen Truppenteil, der als erster vorrückt und somit zuerst in Feindberührung tritt. Feindberührung hatte die JF ja genug (Brandanschläge, Verfassungsschutzberichte). Wenn jetzt das Gros der Truppen nachrückt, hat es sich ja gelohnt. Weiterhin also viel (geistiges) Waffenglück! Der Feldzug scheint nicht verloren.
Günter Gottschlich, Tübingen
12/06 17. März 2006
Wehrpflichtigen besser abraten
Ich für meinen Teil, der seine Offiziersausbildung in Fürstenfeldbruck zu einer Zeit erhalten hat, als dort noch Stabsfeldwebel mit EK I dienten, werde daraus Konsequenzen ziehen. Bisher habe ich noch immer denjenigen meiner Abiturienten, von deren menschlicher Substanz ich überzeugt war, geraten, sich dem Wehrdienst zu unterziehen, um da etwas zu lernen, was großen Teilen dieser Gesellschaft zunehmend abhanden kommt und was man einmal mit dem Begriff „Haltung“ bezeichnet hat. Wenn man auch bei der Bundeswehr nur noch lernen kann, wie man rechtzeitig und geschmeidig sein Rückgrat verbiegt, werde ich davon künftig absehen.
Günter Gottschlich, Tübingen
05/06 27. Januar 2006
Offenkundig nichts Substantielles
Kann sich die JUNGE FREIHEIT nicht auch mal entschließen, auf den Abdruck eines Gesprächs zu verzichten, wenn offenkundig ist, daß der Interviewpartner (hier: Meinhard Miegel) entgegen den Erwartungen, die man gemäß des Titels (Professor von profiteri = frei bekennen!) an ihn stellen könnte, sich überhaupt nichts Substantielles entlocken läßt und selbst gegenüber Zitaten aus eigenen Büchern völlig einsilbig verharrt, um ja nicht in die Nähe eines der vielen PC-Fettnäpfchen zu geraten, die den öffentlichen Raum virtuell verpestet haben? Er hätte hier für mehr Frischluft zu sorgen!
Günter Gottschlich, Tübingen
48/05 25. November 2005
Tote Soldaten ausgeklammert
Für die Thematisierung des Volkstrauertages als Gedenktag für die Opfer der beiden Weltkriege möchte ich der JF ausdrücklich Dank sagen. Derartiges ist heute in den Medien nicht mehr selbstverständlich. Seit Jahren kann man beobachten, wie in den offiziellen Reden aus der summarischen Bezeichnung „Opfer“ zunehmend die größte Gruppe der Toten, die der gefallenen Soldaten, ausgeklammert wird.
Daß hier langfristige Ziele verfolgt werden, kann man dieses Jahr in einem Bericht über die Veranstaltungen zum Volkstrauertag offen lesen (Schwäbisches Tagblatt, 14. November). Danach verliert „im ganzen Land (…) der Volkstrauertag anscheinend langsam seine traditionelle Bedeutung“, und nach Ansicht der Tübinger Kulturwissenschaftlerin Alexandra Kaiser werden „andere Gedenktage immer wichtiger“. Genannt werden der 27. Januar als „weltweiter Holocaust-Gedenktag“ und der 8. Mai. Im gleichen Artikel wird sogar der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit der Bemerkung zitiert, „es gehe nicht mehr so sehr um das Gedenken an die Toten der Weltkriege (…), im Vordergrund stehe zunehmend die Mahnung für den Frieden“.
Wer sich dagegen nicht wehrt, muß damit rechnen, daß – wie in ähnlich gelagerten Fällen schon heute praktiziert – das Gedenken an die gefallenen Soldaten unter rechtsradikales Verhalten subsumiert wird.
Günter Gottschlich, Tübingen
35/05 26. August 2005
Zu: „Geistige Erneuerung“ von Friedrich Romig, JF 29/05
Wissenschaftliche Stagnation
Daß die JF den Angriff des Wiener Erzbischofs auf die Evolutionstheorie einer Meldung für wert befunden hat, mag hingehen. Nicht unwidersprochen kann jedoch bleiben, daß die Zeitung sich im Meinungsteil diesen Angriff zu eigen macht.
Nachdem der Generalangriff, den der Kreationismus gegen die Evolutionstheorie geführt hat, kläglich zusammengebrochen ist, weil das Beharren auf sieben Tagen Schöpfung nur noch mit mildem Lächeln quittiert wurde, wird jetzt versucht, die Evolutionstheorie als „Königsdisziplin“ der Biologie durch einen zwar sprachlich gewandteren, inhaltlich aber unveränderten Theismus unter dem Schlagwort des „Intelligent Design“ zu unterminieren. Dessen Grundaxiome sind jedoch weiterhin einer rationalen naturwissenschaftliche Erklärung nicht zugänglich, sondern können nur geglaubt werden.
Ideologisch ist also nicht das Beharren der Biologie auf einem notwendigen methodischen Naturalismus als Grundlage jeglicher Naturwissenschaft, sondern der wiederholte Versuch methodischer Grenzüberschreitung und der Anspruch auf Deutungskompetenz in den Naturwissenschaften seitens der Theologie. Dies als „weiteren Schritt auf dem Weg der geistigen Erneuerung Europas“ zu bezeichnen, läßt einen mit Blick in die Geschichtsbücher schaudern. Wollen wir wirklich nochmals 1.000 Jahre wissenschaftliche Stagnation?
Günter Gottschlich, Tübingen
19/05 06. Mai 2005
Zu: „Der Anfang ist gemacht“ von Steffen Königer, JF 17/05
Samtpfötige Berichterstattung
Wozu lese ich eigentlich neben der geschichtspolitisch zunehmend lauer werdenden FAZ noch die JF, wenn diese Zeitung jetzt auch in samtpfötige Berichterstattung verfällt und über Niederlagen in dem fortdauernden geistigen Krieg, in dem wir uns befinden, nur noch verhalten zu berichten weiß oder diese sogar umdeutet?
Beispiel: Wiederaufbau Potsdamer Garnisonkirche. So sehr man die Nachricht prinzipiell begrüßen möchte, kann man sich doch eines bitteren Gefühls nicht erwehren, denn der Wiederaufbau ist verknüpft mit dem Sieg der allseits bekannten Truppe moralisierender Vergangenheitsbewältiger, die mit dem Nagelkreuz auf dem Turm, „Versöhnungszentrum“ im Inneren und modisch verfremdeten Architekturelementen unübersehbar ihre Banner auf die Garnisonkirche pflanzen wollen. Hier auf die heilende Wirkung der Zeit zu hoffen („und wenn dieses herrliche Werk erst vollendet ist, weht, so Gott will, auch ein anderer Geist durch das Brandenburger Land“) ist nach allen bisherigen Erfahrungen die falsche Haltung. Sie führt uns auf der schiefen Ebene nur wieder ein Stück weiter in die Selbstaufgabe.
Der Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel, die mit langem Atem über Jahrzehnte hinweg fast sechs Millionen Euro an Spendengelder für die Wiederaufrichtung dieses Symbols eines ethisch gebundenen Preußentums gesammelt hat, ist daher zuzustimmen, wenn sie sich der Zementierung eines verkorksten Geschichtsbildes verweigert.
Günter Gottschlich, Tübingen
08/05 18. Februar 2005
Zu: „Frühjahrsputz bei einer Zeitung“ von Dieter Stein, JF 07/05
Merkwürdiges neues Logo
In einer Zeit, in der Politik fast nur noch auf der Symbolebene praktiziert wird, können auch Logo-Fragen zum Politikum werden. Alle große Politik seit 1989 zielte und zielt darauf ab, Deutschland und damit auch Europa klein zu halten. Exekutiert wird dies nicht mehr mit offener Gewalt, sondern subtiler und damit für ahnungslose Zeitgenossen kaum merkbar in Form von geistigen Angriffen auf die deutsche Identität, und dies auf allen Ebenen, wie derzeit insbesondere in der Geschichtspolitik zu beobachten ist. Aber auch auf ganz unscheinbaren Feldern wird dieser geistige Kampf ausgetragen. So konnte man Anfang der neunziger Jahre feststellen, daß plötzlich wie von unsichtbarer Hand gesteuert Gemeinden, Ämter und Behörden anstelle ihrer alten traditionsreichen Wappen, Siegel und Symbole in den Briefköpfen irgendein gegenstandloses, häufig wie von Kinderhand hingekritzeltes Logo kreierten.
Wenn nun unvermittelt die JUNGE FREIHEIT ein neues Logo wählt, fragt sich der kritische Beobachter natürlich, ob das Flaggschiff des Nonkonformismus nachhinkend nun auch auf den Zeitgeist einschwenkt, denn Flaggschiff war die JUNGE FREIHEIT bisher nicht durch irgendeine Galionsfigur am Bug, sondern durch ihre Ladung! Die Antwort fällt nicht leicht, denn die Darstellung des Logos schrammt nur knapp am Ungegenständlichen vorbei.
Die Quadriga ist zweifellos ein eindeutiges Bekenntnis, und die Kombination mit der Kuppel des Reichstages soll die Verklammerung mit der Moderne darstellen. Allein dabei wurde vergessen, daß die Forster-Kuppel des Reichstages in gewisser Hinsicht auch Symbol einer verlorenen Schlacht darstellt, indem nämlich die Architekturpolitik weitgehend darauf aus ist, traditionelle Symbole (Reichstag, Zeughaus, demnächst vielleicht das Berliner Stadtschloß) im Falle von An- und Umbauten provokativ zu verfremden und damit in ihrer identitätsstiftenden Funktion herabzusetzen.
Günter Gottschlich, Tübingen
43/02 18. Oktober 2002
Zu: „Abschied von der Sprache“ von Günter Zehm, JF 41/02
Mehr Verantwortung
Im Grunde ist die Situation vergleichbar mit derjenigen zur Zeit der Christianisierung vor 1200 Jahren. So wie damals eine neue geistige Macht mit Verfügungsgewalt über ein neues Medium (Schreibkultur versus mündliche Tradierung!) dafür sorgte, daß das alte Gedankengut unterdrückt oder, wo dieses nicht möglich war, absorbiert und umgedeutet wurde (Karl der Große ließ immerhin noch das germanische Liedgut aufzeichnen, Ludwig der Fromme meinte dies vernichten zu müssen), so stehen wir heute im Übergang von der Buchkultur zur Digitalisierung vor einem vergleichbaren Problem. Wieder besteht die Möglichkeit des „Großreinemachens“, indem das, was ins „Netz“ übernommen wird, vorher auf Relevanz geprüft wird (von wem?!). Eine Nivellierung großen Ausmaßes ist im Gange. Jedes alberne Bildchen, das mir Microsoft zum Aufpeppen meiner Briefe anbietet, beweist es aufs Neue.
Was ist also Aufgabe der Bibliotheken? Nicht die Digitalisierung – dafür sollten neue, technische Institutionen geschaffen werden, die reine Drehkreuzfunktion bei der Informationsverteilung übernehmen. Die Bibliotheken sollten vorrangig in ihrer glücklicherweise in hohem Maße vorhandenen Verantwortung bestärkt und das heißt, entsprechend finanziell ausgestattet werden, das in Jahrhunderten gewachsene Wissen zu bewahren, damit jederzeit ein authentischer Rückgriff auf vergangenes Denken möglich bleibt. Denn anders als beim digitalen Wissen, lassen sich ganze Bibliotheken nicht mehr umschreiben. Geistige Lenkung und Zensur ist bei gedruckten Büchern viel schwieriger und wird auch viel eher ruchbar als im unsichtbaren Netz. Nur: wo sind die Politiker, die in solchen Dimensionen denken können?
Günter Gottschlich, Tübingen
12/02 15. März 2002
Zur Blitzumfrage der JF zur Berichterstattung nach dem 11. September 2001:
Debatte kritisch weiterverfolgen
Ich hoffe nicht, daß die Blitzumfrage erfolgt, weil es bei Ihnen in der Redaktion einen Richtungsstreit zu diesem Thema gibt. Ich kann Ihnen nur versichern, daß meiner Meinung nach die JF die Problematik, vor allem was die geistesgeschichtlichen und geopolitischen Dimensionen betrifft, am besten auf den Punkt gebracht hat. Nachdem man die FAZ heute nur noch für pure Fakteninformation benutzen kann und ihr jegliche Vision fehlt (oder sie nicht wagt, diese zu formulieren), kann ich Sie nur inständig bitten, das Thema in der bisherigen Offenheit, Eindeutigkeit und mit scharfer Kritik weiterzuverfolgen.
Europa (die Angelegenheit kann heute nicht mehr von einem Nationalstaat allein gelöst werden, obwohl Deutschland als zumindest geographische Zentralmacht hier eigentlich Vorreiterfunktion übernehmen sollte) muß lernen, sich zu emanzipieren und selbst zu positionieren.
Günter Gottschlich, Tübingen